Die Funktionsweise von Schrittmotoren mit Getriebe im Detail erklärt
Schrittmotoren gehören zu den Antrieben, die sich besonders gut für präzise Positionieraufgaben eignen. Ihr charakteristisches Merkmal ist die Bewegung in klar definierten Winkelschritten. Wird ein Schrittmotor zusätzlich mit einem Getriebe kombiniert, entsteht ein System, das nicht nur genauer ansteuerbar wirkt, sondern vor allem mehr Drehmoment bei geringerer Abtriebsdrehzahl bereitstellt. Um die Funktionsweise im Detail zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf das Zusammenspiel von elektromagnetischem Schrittprinzip und mechanischer Übersetzung.
Im Inneren des Schrittmotors stehen sich Stator und Rotor gegenüber. Der Stator besteht aus mehreren Spulenphasen, die durch den Treiber in einer bestimmten Reihenfolge bestromt werden. Jede Bestromung erzeugt ein Magnetfeld, das den Rotor – je nach Bauart als Permanentmagnet oder als gezahnte Weicheisenstruktur – in eine stabile Lage zieht. Wechselt der Treiber die Phase, verschiebt sich das resultierende Magnetfeld, und der Rotor „rastet“ in der nächsten Position ein. Genau diese Folge von Einrastvorgängen erzeugt die Schrittbewegung. Die Schrittweite wird durch den Motoraufbau bestimmt (z. B. 1,8° pro Schritt bei vielen Standardmotoren). Die Anzahl der Impulse legt fest, wie weit sich der Motor dreht, die Impulsfrequenz bestimmt die Drehzahl, und die Phasenfolge entscheidet über die Drehrichtung.
![]()
Für einen ruhigeren Lauf wird häufig Microstepping eingesetzt. Dabei werden die Phasenströme nicht nur ein- und ausgeschaltet, sondern fein abgestuft geregelt, sodass das magnetische Feld „zwischen“ zwei Vollschritten wandern kann. Das reduziert Resonanzen, Geräusche und Vibrationen – besonders im niedrigen Drehzahlbereich. Wichtig ist jedoch: Microstepping erhöht in erster Linie die Ansteuerauflösung, während die reale Positioniergenauigkeit weiterhin von Last, Reibung und magnetischen Nichtlinearitäten beeinflusst wird.
Kommt nun ein Getriebe hinzu, verändert sich die Charakteristik des Systems deutlich. Das Getriebe senkt die Abtriebsdrehzahl gemäß der Übersetzung und erhöht gleichzeitig das verfügbare Abtriebsmoment (abzüglich Wirkungsgradverluste). Eine Übersetzung von 10:1 bedeutet beispielsweise: Der Abtrieb dreht zehnmal langsamer, kann dafür aber – idealisiert – etwa das Zehnfache an Drehmoment liefern. Zusätzlich verkleinert sich der effektive Schrittwinkel am Abtrieb. Aus 1,8° Motorschritt werden bei 10:1 ungefähr 0,18° am Abtrieb, was eine feinere Winkelauflösung ermöglicht und bei Positionieraufgaben oft als Vorteil wahrgenommen wird.
Allerdings bringt ein Getriebe auch Herausforderungen mit sich. Ein zentraler Punkt ist das Spiel (Backlash) zwischen den Zahnflanken. Beim Richtungswechsel kann der Abtrieb kurz „leer“ laufen, bis die Zähne wieder sauber anliegen. Das verschlechtert die Umkehrgenauigkeit und kann bei hochpräzisen Anwendungen kritisch sein. Hinzu kommen zusätzliche Reibung und Trägheit im Getriebe, die die Dynamik begrenzen und den Wirkungsgrad senken. Je nach Getriebetyp (z. B. Stirnrad-, Planeten- oder Schneckengetriebe) unterscheiden sich Spiel, Effizienz, Geräuschverhalten und Belastbarkeit teils erheblich.
Zusammengefasst basiert der Schrittmotor auf einer präzisen elektromagnetischen Schrittlogik, während das Getriebe diese Bewegung mechanisch „übersetzt“: weniger Geschwindigkeit, mehr Drehmoment und eine feinere Abtriebsauflösung. Wer beide Prinzipien und ihre Nebenwirkungen – insbesondere Spiel und Verluste – berücksichtigt, kann Schrittmotoren mit Getriebe gezielt so einsetzen, dass sie in der Praxis zuverlässig, kraftvoll und kontrollierbar arbeiten.
Zurück:Die Rolle integrierter Schrittmotoren im Zeitalter der intelligenten Fertigung




